Auffallen ist gut, aufpassen ist besser – was Leuchtwesten im Verkehr bringen, und was nicht

Text von SolidaVita

Wer als Velofahrer*in eine Leuchtweste oder andere Signalkleider trägt, ist im Verkehr sichtbarer und senkt dadurch das Unfallrisiko: Nichts scheint logischer als das. Leider ist diese Schlussfolgerung falsch – oder zumindest nur halbwegs wahr. Erfahren Sie, was Leuchtwesten wirklich bringen und was Sie als Velofahrer*in tun können, um Ihr Risiko, in einen Unfall verwickelt zu werden, zu reduzieren.

Dem Velo gehört die Zukunft, besonders im Stadtverkehr. Velofahrer*innen wissen das längst, auch wenn die Realität der stadtplanerischen Vision noch hinterher hinkt. Immerhin gelten Amsterdam, Kopenhagen und Barcelona bereits als «Fahrradstädte»: Hier machen Velofahrer*innen mehr als 30 Prozent des Verkehrs aus. Auch andere Städte bemühen sich, ihr Radwegnetz auszubauen, um die Luft- und Lebensqualität in den Innenstädten längerfristig zu erhöhen. Doch solange Velos und Motorfahrzeuge in demselben Verkehrsnetz unterwegs sind, kommt es zu Kollisionen und damit zu Unfällen mit oft schwerwiegenden oder gar tödlichen Folgen für die Velofahrer*innen. Laut ASTRA (Bundesamt für Strassen) verunfallten 2019 in der Schweiz 4’685 Personen mit dem Velo. Immer wieder hört man, dass diese vergleichsweise hohe Zahl (Unfälle mit Autos: 9’382) mit dem Tragen von Leuchtwesten reduziert werden könne. Doch stimmt das wirklich? Erhöht Signalkleidung die Sichtbarkeit, und sinkt dadurch das Unfallrisiko für Velofahrer*innen?

Von Sicherheit, Rücksicht und Vorsicht

Während die Antwort auf die zweite Frage «Leider nein» lautet, ist die Antwort auf die erste Frage ein «Ja, aber»: Wenn man beim Velofahren eine Leuchtweste trägt, sorgt man für mehr Sichtbarkeit – doch dies gilt nur unter bestimmten Umständen. Wer in der Dämmerung oder im Dunkeln mit Leuchtweste und Licht unterwegs ist, fällt mehr auf. Tagsüber erhöht Signalkleidung die eigene Sichtbarkeit aber kaum. Und wie Studien in verschiedenen Ländern ergeben haben, senken Leuchtwesten das Unfallrisiko nicht. Zum einen, weil bessere Sichtbarkeit auf dem Velo nicht bedeutet, dass die motorisierten Verkehrsteilnehmer*innen auch mehr Rücksicht nehmen und beispielsweise mit grösserem Abstand überholen. Zum andern neigen Velofahrer*innen dazu, die Wirkung ihrer Warnwesten zu überschätzen. Sie wähnen sich mit Signalkleidung sicherer und fahren riskanter. Eine fatale Folgerung. Auffallen ist gut, doch Aufpassen bleibt das oberste Gebot. Verkehrsegeln befolgen, Augenkontakt suchen und vorsichtig fahren, sprich immer damit rechnen, dass man übersehen werden könnte – Warnweste hin oder her.

Gute Aussichten

Laut Studien gibt es neben der Vorsicht noch einen Faktor, der das Unfallrisiko massgeblich senkt. Hier erklingt wieder Zukunftsmusik, denn dieser Faktor besteht in der Anzahl der Velofahrer*innen auf den Strassen. Je höher der Veloverkehrsanteil, desto geringer das Risiko für den Einzelnen – weil sich die Automobilisten bewusster sind, dass sie auf die pedalenden Verkehrsteilnehmer*innen besonders Acht geben müssen.

Die korrekte Folgerung dürfte damit klar sein: Steigen Sie aufs Velo statt ins Auto. Rollen Sie mit Licht und Leuchtweste durch die Gegend. Und seien Sie dabei so aufmerksam und umsichtig wie möglich. So können Sie Ihr Unfallrisiko senken, und so ist und bleibt das Velofahren eine Freude – für Sie, für die Luft- und die Lebensqualität in Ihrer Stadt, für die Zukunft von uns allen. Gute Fahrt!

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Bildquelle: georgeclerk / iStock

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