Anleitung für ein minimalistisches Leben
Vor noch nicht langer Zeit galt viel Besitz als Zeichen von Wohlstand und Erfolg. Heute sind übervolle Wohnungen, Terminkalender und To-do-Listen für viele zu einer dauernden Belastung geworden. Immer mehr Menschen sehen den wahren Luxus in der freiwilligen Einfachheit statt im Überfluss. Dass Minimalismus frei(er), leicht(er) und glücklich(er) macht, klingt wie ein Werbespruch. Es ist aber wissenschaftlich belegt, dass ein Zuviel an Dingen und Reizen zumindest gefühlt zum Chaos führt und Stress verursacht, während eine reduzierte und aufgeräumte Umgebung ein Gefühl von Kontrolle verleiht und beruhigt. Wie gelingt es, den Alltag effizient zu entrümpeln und den Minimalismus auch beizubehalten?
Bevor Sie sich auf den Weg des Reduzierens machen, gilt es, die Weichen richtig zu stellen. Strukturiertes Vorgehen ist gefragt, denn spontanes Entrümpeln an allen Fronten führt nur zu noch mehr Chaos und Frust. Folgende drei Punkte helfen Ihnen, sich optimal auf die minimalistische Reise vorzubereiten:
- Zeitliche Planung: Richten Sie sich für das Ausmisten und Aufräumen die nötige Zeit ein. Nehmen Sie sich beispielsweise ein Wochenende pro Monat vor und tragen Sie die Termine in Ihrer Agenda ein. Besonders motivierend ist es, wenn Sie auch eine Belohnung einplanen, die der guten Tat folgen soll, beispielsweise ein Nachtessen mit einer Freundin, einem Freund in Ihrem Lieblingsrestaurant.
- Systematisches Vorgehen: Überlegen Sie sich, in welchen Bereichen oder Räumen das Ausmisten am nötigsten ist und widmen Sie sich jeweils nur einem Raum oder einer Kategorie aufs Mal. Wenn Sie irgendwo beginnen oder alles gleichzeitig angehen wollen, verlieren Sie schnell den Überblick. Planvolles Vorgehen führt eher zum Erfolg.
- Reflektierter Neustart: Gemäss Marie Kondō lautet die Schlüsselfrage beim Ausmisten «Bereitet mir dieses Ding Freude?». Doch hat Ihnen nicht auch dessen Anschaffung Freude bereitet? Um nicht in einen ewigen Kreislauf von Anschaffen, Wegschmeissen und Neuanschaffen zu geraten, sollten Sie Ihr Konsumverhalten überdenken: Weshalb habe ich mir die Sachen zugelegt? Geht es um das Ding selbst oder stehen andere Bedürfnisse dahinter? Was bereichert mich wirklich – in einem nichtmateriellen Sinn?
Behalten Sie diese drei grundlegenden Aspekte im Blick, damit der Übergang vom Überfluss zur Übersicht auch wirklich gelingt. Und nun kann es richtig losgehen.
Der Kern des Minimalismus besteht darin, sich auf das Wesentliche zu beschränken. Im ersten Schritt gilt es daher herauszufinden, was Sie wirklich brauchen. Tipp: Kombinieren Sie die Schlüsselfrage von Marie Kondō («Does it spark joy?», «Bereitet es mir Freude?») mit dem Motto von Leo Babauta, Minimalist und Autor von Zen Habits: «Identify the essential. Eliminate the rest.» Frei übersetzt: Finden Sie heraus, was wesentlich ist für Sie, ob funktional oder emotional – und trennen Sie sich vom Rest. Dabei beginnen Sie stets mit einer Auslegeordnung. Diese führt Ihnen vor Augen, was Sie alles besitzen. Nur das, was Sie behalten wollen, darf zurück an seinen Platz.
- Materielles Entrümpeln: Öffnen Sie den Kleiderschrank, nehmen Sie sämtliche Kleidungsstücke heraus und legen Sie diese vor sich hin. Nehmen Sie nun Stück für Stück in die Hand und fragen Sie sich: Mag ich dieses Teil? Passt es (noch) zu mir? Trage ich es oft oder zumindest bei bestimmten Anlässen? Mit der Drei-Stapel-Methode schaffen Sie das Ausmisten gezielt und ohne Reue. Das minimalistische Ziel ist eine «Capsule Wardrobe»: eine bewusst zusammengestellte Garderobe aus wenigen, vielseitig kombinierbaren Kleidungsstücken. Nach demselben Prinzip prüfen Sie nach und nach auch die Möbel Ihrer Wohnung sowie die Inhalte von Gestellen und Schubladen. Nicht vergessen: Remisen, Keller, Estrich und andere «verborgene» Rumpelkammern.
- Digitales Entschlacken: Machen Sie als nächstes eine Auslegeordnung Ihres digitalen Lebens. Dazu gehören alle Apps, aber auch E-Mail-Konten, Social-Media-Profile, Cloud-Speicher, digitale Dateien, Newsletter-Abos sowie Streaming- und Online-Dienste. Welche Apps brauchen Sie tatsächlich? Löschen Sie die übrigen und begrenzen Sie bei den verbleibenden Apps die Bildschirmzeit. Reduzieren Sie Benachrichtigungen und Newsletter-Abos auf ein Minimum. Überlegen Sie, wie oft und wie lange Sie Ihr Smartphone und andere Geräte nutzen wollen. Legen Sie Zeiten ohne digitale Ablenkung fest, zum Beispiel zwischen 20 Uhr abends und 8 Uhr morgens, an Sonntagen bis 12 Uhr mittags.
- Terminliche Reduktion: Haben Sie eine volle Agenda und oft das Gefühl, der Zeit hinterher zu rennen und nichts richtig auf die Reihe zu bekommen? Dann wird es Zeit für einen Kalender-Minimalismus. Um Verpflichtungen, Termine und Meetings zu reduzieren und mehr freie Zeit zu gewinnen, gilt es, Prioritäten klar zu setzen und das Nein-Sagen zu üben. Wenden Sie die minimalistische Devise «Qualität statt Quantität» auch in zwischenmenschlichen Beziehungen an. Pflegen Sie weniger oberflächliche Kontakte, um Zeit für die wirklich bereichernden Beziehungen zu gewinnen.
- Finanzielle Klarheit: Ein bewusster Umgang mit Geld bedeutet weniger Stress und mehr finanzielle Freiheit. Beginnen Sie damit, Ihre Abos, Verträge und Versicherungen zu überprüfen: Was brauchen Sie wirklich? Was können Sie kündigen oder optimieren? Vermeiden Sie Doppelversicherungen und setzen Sie sich Sparziele. Ein übersichtliches Budget (Haushaltsbuch) hilft zusätzlich, Ausgaben zu ordnen und Impulskäufe zu vermeiden. Fragen Sie sich vor jedem Kauf: Brauche ich das wirklich? Macht es mein Leben besser? Nach dem Motto «Less but better» können Sie gezielt in hochwertige Dinge investieren und sich für das gesparte Geld ein kulturelles oder anderes Erlebnis gönnen.
- Mentale und emotionale Entlastung: Auch unsere Gedankenwelt ist oft überladen: mit Glaubenssätzen, Sorgen, Erwartungen, Selbstansprüchen und anderem mentalem «Lärm», der viel Energie bindet. Mentales und emotionales Ausmisten beginnt damit, diese Belastungen bewusst wahrzunehmen und sie nach und nach loszulassen. Mit einem Dankbarkeitstagebuch können Sie den Blick für das Wesentliche schärfen und sich gleichzeitig darin üben, mit dem zufrieden zu sein, was Sie haben.
Der minimalistische Neubeginn geschieht nicht von heute auf morgen und auch nicht nebenbei – er braucht Zeit. Beim Ausmisten werden Sie feststellen, dass es oft einfacher ist und schneller geht, Dinge anzuschaffen, als sie wieder loszuwerden. Wegwerfen sollte dabei möglichst vermieden werden. Wenn Sie etwas nicht selbst zu Ende brauchen wollen, können Sie es im Bekanntenkreis verschenken, an Brockenhäuser und soziale Einrichtungen spenden oder auf Flohmärkten und Online-Tauschplattformen verkaufen.
Für Ihr weiteres minimalistisches Leben können Sie sich an folgenden Prinzipien orientieren:
- Dinge reparieren oder ausleihen, notfalls second-hand statt neu kaufen.
- Käufe mehrere Tage aufschieben, um Impulsentscheidungen zu vermeiden.
- Regelmässig kleine «Entrümpelungsrunden» einplanen (eine Stunde pro Woche).
- Gespartes (Geld, Zeit) in Erlebnisse, Begegnungen und Ruhezeiten investieren.
- Eins nach dem andern, bewusst Pausen einplanen.
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Als Familienmensch fragen Sie sich vielleicht, wie Minimalismus funktionieren soll, wenn ein Baby unterwegs ist oder Kinder bereits zum Alltag gehören. Führt da ein minimalistischer Lifestyle nicht zu einem ständigen Kampf gegen Gelüste, Geschenke und den allgegenwärtigen Konsumdruck? Wir zeigen im nächsten Beitrag auf, wie Minimalismus auch mit Kindern möglich ist und warum weniger Besitz die familiäre Bindung fördert.
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