Entrümpeln Symbolbild i Stockfoto
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Entrümpeln – Frühjahrsputz für Körper und Geist

Das Licht fällt plötzlich anders in unsere Wohnung. Heller. Klarer. Fast schon gemein aufdeckend. Was im Winter noch irgendwie gemütlich wirkte, erscheint nun störend: der Stapel Papier auf dem Tisch, die volle Garderobe, der Bücherstapel auf dem Boden. Und mit dem Licht kommen Impulse wie aufräumen, ordnen oder den Ballast loslassen.

Dieses Bedürfnis nach einem Frühjahrsputz oder danach, im Frühling bewusst zu entrümpeln, ist kein Zufall. Es ist ein Zusammenspiel aus Biologie, Psychologie und dem natürlichen Rhythmus der Jahreszeiten. Doch warum entsteht das verstärkte Bedürfnis nach Ordnung und Sauberkeit? Und wie verändern aufgeräumte Wohnräume unseren inneren Zustand? 

Frühlingserwachen beginnt im Körper

Mit zunehmender Tageslichtdauer verändert sich unsere Hormonregulation messbar. Die Produktion von Melatonin (Schlafhormon) wird reduziert, während der Spiegel von Serotonin (stimmungsregulierend) und Dopamin (Neurotransmitter und Teil des Motivations- und Belohnungssystems) ansteigt. Dieses Hormon und diese Botenstoffe fördern Antrieb, Motivation und Handlungsbereitschaft. 


Erkenntnisse aus der Chronobiologie – der Wissenschaft von der zeitlichen Organisation biologischer Prozesse – zeigen, dass mehr Licht unsere innere Uhr stabilisiert und die kognitive Leistungsfähigkeit erhöht. Eine Untersuchung der Universität Basel beschreibt, wie Licht gezielt Einfluss auf Gesundheit und Aktivierungsniveau nimmt. 


Der Wunsch, im Frühling Ordnung zu schaffen, liegt daher weniger an unserer Persönlichkeit oder Disziplin als an der natürlichen Aktivierung unseres Nervensystems. Der Körper schaltet von Rückzug und Winterblues im Winter auf Vorwärtsbewegung im Frühling.

Warum Unordnung Stress verursachen kann

Was uns im Alltag nur leicht stört, bindet im Hintergrund mentale Energie. Sichtbare Gegenstände, ungeklärte Ablagen oder unerledigte Aufgaben bleiben kognitiv präsent. In der Psychologie spricht man vom Zeigarnik-Effekt: Offene Aufgaben bleiben im Arbeitsgedächtnis aktiv und beanspruchen Ressourcen. 


Studien zeigen zudem, dass chaotische Wohnräume mit erhöhter geistiger Belastung und einem gesteigerten Stressniveau verbunden sein können. Unser Zuhause wirkt nicht neutral – es beeinflusst unser Wohlbefinden. Ein Beitrag von SRF beleuchtet, wie stark das Wohnumfeld unser inneres Erleben prägt. 


Ordnung schaffen bedeutet somit auch mentale Entlastung. 

Entrümpeln im Frühling – Ballast bewusst abwerfen

Entrümpeln heisst nicht radikaler Verzicht oder blind einem Trend zu folgen, wie dem Minimalismus (Link zu Text). Es geht darum, bewusst zu entscheiden, was im eigenen Zuhause noch einen Zweck erfüllt und was lediglich Raum, Zeit und Aufmerksamkeit beansprucht. 


Weniger Besitz reduziert Pflegeaufwand, Organisationsaufwand und Entscheidungsdruck. Räume wirken leichter, klarer und strukturierter. Und mit jedem Gegenstand, der gehen darf, entsteht nicht nur physischer Raum, sondern auch innere Leichtigkeit. 


Der Frühling, in unseren Breitengraden die Jahreszeit des Neubeginns und des Wachstums, verstärkt diesen Prozess. Er lädt dazu ein, Altes loszulassen und das Zuhause neu zu ordnen.

Digitale Ordnung nicht vergessen

Zum Entrümpeln im Frühling gehört auch die digitale Umgebung. Ungelesene E-Mails, unstrukturierte Dateien oder ungenutzte Apps erzeugen eine konstante Reizkulisse. Digitale Ordnung reduziert visuelle Ablenkung und unterstützt Fokus sowie Produktivität. Ein aufgeräumtes Postfach kann ebenso befreiend wirken wie ein geordnetes Wohnzimmer. 

Frühjahrsputz als natürlicher Übergang

Ein Frühjahrsputz ist kein Selbstoptimierungsprojekt, sondern eine Anpassung an die neue Jahreszeit und ein bewusstes Loslassen von Vergangenem. Schon kleine Bereiche können spürbar entlasten. 

 

Wer nach dem Winter bewusst entrümpelt, schafft Ordnung, reduziert Stress und stärkt die eigene Klarheit. So wird der Frühling nicht nur äusserlich sichtbar, sondern auch innerlich spürbar. Also: Starten wir mit der ersten Schublade? 

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